von Patrick Heil
Kurz beantwortet
Hausstaubmilben sind 0,1 bis 0,5 Millimeter groß, haben einen ovalen, durchscheinend weißlichen Körper mit acht Beinen und feinen Borsten. Sie besitzen keine Augen und keine Flügel. Mit bloßem Auge sind sie nicht zu erkennen – erst unter dem Mikroskop wird ihr Körperbau sichtbar. Wer im Bett etwas krabbeln sieht, hat es fast sicher nicht mit Hausstaubmilben zu tun.
Das Aussehen der Hausstaubmilbe im Detail
Milben sind keine Insekten, sondern Spinnentiere. Das erkennt man an der Zahl der Beine: Ausgewachsene Tiere tragen vier Beinpaare, also acht Beine. Nur die frisch geschlüpften Larven haben zunächst drei Paare. Insekten hingegen haben immer sechs Beine und meist einen dreigeteilten Körper.
Der Körper einer Hausstaubmilbe ist oval bis birnenförmig und nicht in Kopf, Brust und Hinterleib gegliedert, sondern wirkt wie ein einziges Stück. Die Körperhülle ist fein gestreift und von haarförmigen Borsten besetzt. Die Farbe ist durchscheinend weißlich bis hellbeige – unter dem Mikroskop wirken die Tiere fast glasig. Augen fehlen vollständig, ebenso Flügel. Weibchen sind deutlich größer als Männchen.
Wie groß sind Milben wirklich?
Das Umweltbundesamt (öffnet in neuem Tab) gibt die Größe mit 0,1 bis 0,5 Millimetern an. Zum Vergleich: Ein menschliches Haar ist etwa 0,07 Millimeter dick, die Spitze einer Nähnadel misst rund einen Millimeter. Eine Hausstaubmilbe liegt also irgendwo dazwischen – theoretisch groß genug, um sie zu sehen, praktisch aber nicht.
Der Grund ist nicht allein die Größe, sondern die Durchsichtigkeit. Ein heller, fast transparenter Körper von einem Zehntelmillimeter auf hellem Bettzeug hebt sich für das menschliche Auge nicht ab. Dazu kommt, dass Milben lichtscheu sind und sich tief in Textilien zurückziehen. Sie laufen nicht über das Laken, sondern sitzen in der Polsterung.
Steckbrief Hausstaubmilbe
- Wissenschaftlicher Name
- Dermatophagoides pteronyssinus und Dermatophagoides farinae
- Tiergruppe
- Spinnentiere, nicht Insekten
- Größe
- 0,1 bis 0,5 mm, Weibchen größer als Männchen
- Körper
- oval, ungegliedert, durchscheinend weißlich bis beige, fein beborstet
- Beine
- vier Paare bei ausgewachsenen Tieren, drei Paare bei Larven
- Augen
- keine
- Lebensdauer
- etwa 30 bis 100 Tage
- Eier
- bis zu rund 120 je Weibchen
- Nahrung
- menschliche und tierische Hautschuppen, Haare, Federn
- Vorkommen
- Matratze, Kopfkissen, Oberbett, Polstermöbel, Teppich
Angaben nach Umweltbundesamt und biologischer Fachliteratur.
Warum Milbenbilder so abschreckend wirken
Die bekannten Aufnahmen von Milben stammen aus dem Rasterelektronenmikroskop. Dabei wird das Tier tausendfach vergrößert und in Graustufen dargestellt, die nachträglich eingefärbt werden. Was dabei wie ein bedrohliches Ungeheuer aussieht, ist in Wahrheit ein Lebewesen, das kleiner ist als der Punkt am Ende dieses Satzes.
Diese Bilder sind wissenschaftlich korrekt, aber irreführend in ihrer Wirkung. Hausstaubmilben beißen nicht, stechen nicht und übertragen keine Krankheiten. Sie sind ein normaler Bestandteil jedes bewohnten Haushalts. Problematisch ist nicht das Tier, sondern sein Kot: Die darin enthaltenen Eiweiße zerfallen zu feinem Staub, werden eingeatmet und können eine Allergie auslösen.
Milbe oder etwas anderes? Die häufigsten Verwechslungen
Wenn Sie tatsächlich etwas im Bett krabbeln sehen, ist es keine Hausstaubmilbe. Diese Tabelle hilft bei der Einordnung:
| Tier | Größe | Sichtbar? | Typisches Merkmal |
|---|---|---|---|
| Hausstaubmilbe | 0,1–0,5 mm | nein | lebt in Matratze und Polstern, beißt nicht |
| Bettwanze | 4–8 mm | ja | rotbraun, hinterlässt Bissreihen und Blutpünktchen |
| Floh | 1–4 mm | ja | springt, dunkelbraun, einzelne juckende Stiche |
| Herbst- oder Grasmilbe | 0,2–0,3 mm | Larve als oranger Punkt erkennbar | befällt im Sommer die Haut, juckende Quaddeln an Beinen |
| Krätzmilbe | 0,2–0,4 mm | nein | gräbt Gänge in die Haut, starker Juckreiz nachts |
| Mehlmilbe | 0,3–0,7 mm | als heller Belag | in Mehl und Getreide, Vorratsschädling |
Die wichtigste Unterscheidung: Hausstaubmilben verursachen keine Bisse und keine Hautveränderungen durch direkten Kontakt. Wer morgens Stiche oder Quaddeln entdeckt, sollte an Bettwanzen, Flöhe oder eine andere Ursache denken – und bei anhaltenden Hautproblemen ärztlichen Rat einholen.
Wie sieht Milbenkot aus?
Auch der Kot ist mit bloßem Auge unsichtbar. Die Kügelchen messen etwa 10 bis 40 Mikrometer, sind also noch einmal deutlich kleiner als das Tier selbst. Eine einzelne Milbe produziert im Lauf ihres Lebens ein Vielfaches ihres Körpergewichts an Ausscheidungen.
Getrocknet zerfällt dieser Kot zu feinem Staub, der sich mit dem Hausstaub vermischt. Beim Aufschütteln des Bettes oder beim Staubsaugen mit einem ungeeigneten Gerät wird er aufgewirbelt und eingeatmet. Genau hier liegt der Ansatzpunkt jeder sinnvollen Gegenmaßnahme: Es geht nicht darum, jedes Tier zu töten, sondern darum, die Allergene aus der Wohnung zu entfernen, statt sie in der Luft zu verteilen.
Das Wichtigste in Kürze
- Hausstaubmilben sind 0,1 bis 0,5 mm groß und mit bloßem Auge nicht zu sehen.
- Sie haben acht Beine, einen ovalen, durchscheinenden Körper, keine Augen und keine Flügel.
- Sie sind Spinnentiere, keine Insekten, und beißen oder stechen nicht.
- Allergieauslöser ist nicht das Tier, sondern der getrocknete Kot.
- Sichtbare Krabbeltiere im Bett sind andere Arten – meist Bettwanzen oder Flöhe.
Wie Sie einen Befall im eigenen Bett einschätzen, lesen Sie in unserem Beitrag Milben im Bett erkennen. Welche Gegenmaßnahmen tatsächlich belegt sind, zeigt der Beitrag Milbenentferner im Vergleich.