von Patrick Heil
Kurz beantwortet
Der weiße oder hellgraue Staub, der beim Absaugen der Matratze im Sauger landet, besteht vor allem aus Textilfasern von Bezug und Bettwäsche und aus Hautschuppen. Dazu kommen je nach Matratze Abrieb der Füllung und Staub aus dem Raum. Milben sehen Sie darin nicht: Die Tiere sind 0,1 bis 0,5 Millimeter klein und durchscheinend, ihr allergieauslösender Kot ist noch kleiner. Der Staub ist normal und kein Zeichen mangelnder Hygiene. Auffällig wird er erst, wenn gelbliche Krümel, dunkle Flecken oder ein muffiger Geruch dazukommen.
Die Frage stellen sich viele, die ihre Matratze zum ersten Mal mit einer Bürstendüse oder einem Gerät mit durchsichtigem Behälter absaugen: Es kommt erstaunlich viel helles Material heraus, auch wenn die Matratze sauber aussieht. Was ist das, und muss man sich Sorgen machen?
Woraus der weiße Staub besteht
| Bestandteil | Woran Sie ihn erkennen | Bedeutung |
|---|---|---|
| Textilfasern | flusig, weiß bis hellgrau, oft in Knäueln | stammen von Bezug, Laken und Bettwäsche, harmlos |
| Hautschuppen | feines, helles Pulver, einzeln kaum zu erkennen | normal, jeder Mensch verliert täglich Haut – Nahrung für Hausstaubmilben |
| Abrieb der Füllung | körnig oder krümelig, bei Schaum oft gelblich | bei älteren Matratzen ein Zeichen von Verschleiß |
| Staub aus dem Raum | grau, fein | setzt sich auf jeder Fläche ab, auch auf der Matratze |
| Natron oder Pulver | weißes, gleichmäßiges Pulver | Rest eines Hausmittels, falls Sie die Matratze vorher damit behandelt haben |
| Milben und Milbenkot | mit bloßem Auge nicht zu sehen | der eigentliche Allergieauslöser, aber im Staub nicht erkennbar |
Wie viel von welchem Bestandteil im Staub steckt, ist von Bett zu Bett verschieden. Eine allgemeingültige Prozentangabe gibt es nicht – auch nicht für die oft zitierte Behauptung, Hausstaub bestehe überwiegend aus Hautschuppen. Mehr dazu im Beitrag Wie entsteht Staub im Schlafzimmer?
Sind das Milben?
Nein – jedenfalls nicht so, dass man es sehen könnte. Hausstaubmilben sind laut Umweltbundesamt (öffnet in neuem Tab) 0,1 bis 0,5 Millimeter groß und mit bloßem Auge nicht zu erkennen. Ihr Kot ist mit 10 bis 40 Mikrometern noch deutlich kleiner. Wie die Tiere tatsächlich aussehen, zeigt der Beitrag Wie sehen Milben aus?
Das bedeutet zweierlei. Der sichtbare weiße Staub ist kein Maß für Milben – wer viel davon absaugt, hat nicht automatisch viele Milben. Und umgekehrt: Wer wenig sieht, hat nicht automatisch wenig Allergene. Wer wissen will, wie stark die Matratze belastet ist, braucht einen Milbentest, wie er im Beitrag Milben im Bett erkennen beschrieben ist.
Manche Vorführungen zeigen den weißen Staub aus der Matratze als „Milben". Anschaulich ist das, genau genommen aber nicht richtig: Zu sehen sind vor allem Fasern und Hautschuppen, die Milbenallergene stecken unsichtbar darin.
Wann der Staub ein Warnzeichen ist
- Gelbliche, krümelige Brösel und Kuhlen, die nicht mehr zurückgehen: Der Schaum der Matratze altert. Das Umweltbundesamt empfiehlt, Matratzen ohnehin alle sieben bis zehn Jahre zu erneuern, weil nach etwa sieben Jahren die höchste Allergendichte erreicht ist.
- Dunkle Punkte oder Flecken, die sich nicht absaugen lassen, und ein muffiger Geruch: Das kann auf Feuchtigkeit und Schimmel hindeuten, häufig an der Unterseite. Dann hilft kein Absaugen – die Matratze braucht Luft von unten, und bei Schimmel gehört sie ausgetauscht.
- Sehr viel Flusen bei einem neuen Bezug: meist harmlos. Neue Textilien geben in den ersten Wochen mehr Fasern ab.
Matratze absaugen: ja oder nein?
Ja – aber mit dem richtigen Gerät. Absaugen entfernt Hautschuppen, Fasern und einen Teil des Milbenkots von der Oberfläche. Es nützt aber nur, wenn der Staub im Gerät bleibt. Ein Staubsauger, der feine Partikel über die Abluft wieder ausbläst, verteilt die Allergene im Schlafzimmer, statt sie zu entfernen.
Für Teppiche nennt das Umweltbundesamt deshalb Staubsauger mit einem Feinstaubfilter der Klasse 13 bis 14; für die Matratze gilt dasselbe Prinzip. Auch ein Staubsauger mit Wasserfilter hält die Partikel zurück, weil er sie im Wasser bindet. Mit einer Bürstendüse wie der Elektrodüse geht es gründlicher als mit einer glatten Polsterdüse; der Elektrodüsenaufsatz schützt dabei den Bezug.
Wie oft sollte man die Matratze absaugen?
| Situation | Empfehlung |
|---|---|
| Die meisten Haushalte | alle zwei bis drei Monate |
| Hausstauballergie | alle zwei bis vier Wochen und zusätzlich beim Beziehen |
Wichtiger als die genaue Zahl ist, dass Sie dabei keinen Staub aufwirbeln und die Matratze danach offen lüften lassen.
So saugen Sie die Matratze richtig ab
- 1Bett komplett abziehen, Laken und Bezüge bei mindestens 60 Grad waschen, soweit das Etikett es erlaubt.
- 2Langsam in überlappenden Bahnen saugen. Zu schnelles Saugen nimmt vor allem die Oberfläche mit.
- 3Nähte, Kanten und Kederbänder mit der Fugendüse nacharbeiten. Dort sammelt sich am meisten.
- 4Die Matratze wenden, wenn sie dafür gemacht ist, und die zweite Seite ebenso absaugen.
- 5Offen lüften lassen, bevor Sie das Bett wieder beziehen. Das Umweltbundesamt rät, die Matratze beim Lüften unbedeckt zu lassen, damit die Feuchtigkeit entweicht.
Was Absaugen nicht leistet
Milben halten sich in der Polsterung fest, und kein Staubsauger holt sie vollständig heraus. Absaugen senkt die Menge an Staub und Allergenen an der Oberfläche, ersetzt aber nicht die Maßnahmen, die gegen Milben belegt wirken: Encasing-Bezüge, 60-Grad-Wäsche, regelmäßiges Lüften und ein kühles Schlafzimmer. Welche Methoden wirken und welche nicht, steht im Beitrag Hausstaubmilben bekämpfen.
Hinweis: Dieser Beitrag fasst öffentlich zugängliche Empfehlungen allgemeinverständlich zusammen und ersetzt keine medizinische Beratung. Bei anhaltenden allergischen Beschwerden wenden Sie sich bitte an eine Ärztin oder einen Arzt.